Geschichte der Sorben

Bereits im 6./7. Jahrhundert kamen durch Völkerwanderungen über ein dutzend slawische Stämme in das nahezu siedlungsleere Gebiet östlich der Elbe und Saale. So nahmen die Lusizer, welche der Gegend ihren Namen gaben, die Niederlausitz und die Milzener die Oberlausitz in Besitz. Mit der deutschen Ostexpansion, im Zeitraum vom 10. bis 12. Jahrhundert, verloren all jene slawischen Volksgruppen, die sich westlich zwischen Ostsee und Erzgebirge niedergelassen hatten, ihre Unabhängigkeit. Im Verlaufe der weiteren deutschen Expansion und Kolonisation wurden die meisten Stämme von ihnen im Machtkampf der Nationen zur Aufgabe ihrer nationale Eigenständigkeit gezwungen. Wann und aus welchen Gründen die Bezeichnung Sorben auf die beiden erhalten gebliebenen Stämme überging, ist nicht bekannt. Die Sorben hielten der deutschen Obrigkeit stand, erweiterten ihr Siedlungsland durch Kultivierung neuer Bodenflächen und entwickelten eine eigenständige Sprache, Kultur und Schrift, was wahrscheinlich die wichtigsten Grundlagen für ihren Überlebenskampf waren.

Heute zählen die Sorben und Wenden zu den wenigen Ausnahmen, die sich als nationale Minderheit in Deutschland behauptet haben. Wobei die Bezeichnung Minderheit an dieser Stelle nicht ganz richtig ist, denn die Sorben
Die Wenden blicken auf ein
450 Jahre altes sorbisches
Schrifttum zurück
und Wenden sind keine Minderheit eines Volkes, sondern eine eigenständige, autonome, slawische Nation. Mit etwa 60000 Angehörigen bilden sie jedoch auf Grund ihrer eigenständigen Kultur und ihrer traditionellen Bräuche einen historisch herausragenden Bestandteil in der Geschichte der Lausitz und eine Besonderheit im regionalen Alltagsleben. So wundern sich unkundige Besucher oft über die Zweisprachigkeit der Orts- und Hinweisschilder, welche für Einheimische als selbstverständlich gelten.

Als Zentrum der niedersorbischen Lebensweise kann man den Spreewald bezeichnen. Hier sind die niedersorbische Muttersprache, die sorbische Relegion und das sorbische Brauchtum am tiefsten verwurzelt geblieben. Jährlich finden vielfältige, traditionelle Volksfeste statt, farbenprächtige Anziehungspunkte für Besucher von nah und fern. Teilweise sind viele der Bräuche, welche in der sorbischen Kultur ihren Ursprung haben, von der deutschen Bevölkerung übernommen worden. Als bekanntestes Beispiel hierfür kann man das Ostereiermalen nennen. Doch auch das Zampern, Maibaumstellen, Hahnrupfen sowie Erntedankfeste haben zumindest in der Lausitz eine weite Verbreitung gefunden.

Nach der Wende erfuhren die Sorben neben der moralischen Unterstützung auch finanzielle Förderung. So haben sich sowohl die Landesregierungen von Brandenburg und Sachsen als auch die Bundesregierung zu der Bewahrung der sorbischen Lebensweise bekannt und eine "Stiftung für das sorbische Volk" gegründet. Dies sollte jedoch nicht über die grundsätzlichen Probleme hinwegtäuschen. Denn, wie zu DDR-Zeiten, sind die Gebiete, in denen die Sorben leben, noch immer durch die wirtschaftlichen Interessen der Braunkohlenindustrie bedroht. So müssen nach wie vor ganze Ortschaften und Siedlungen den Tagebaugeräten weichen, mit denen jedes Mal ein Stück historische Einmaligkeit verloren geht.

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